HOMECOMING live

Christian Muthspiel & ORJAZZTRA VIENNA

Double CD

Lisa Hofmaninger – soprano saxophone, bass clarinet
Fabian Rucker
– alto & soprano saxophone, clarinet
Astrid Wiesinger
– alto & soprano saxophone
Robert Unterköfler
– tenor & soprano saxophone
Ilse Riedler
– tenor & soprano saxophone, clarinet
Florian Bauer
– baritone saxophone, bass clarinet

Gerhard Ornig – trumpet, flugelhorn
Lorenz Raab
– trumpet, flugelhorn
Dominik Fuss
– trumpet, flugelhorn

Alois Eberl – trombone
Daniel Holzleitner
– trombone
Christina Lachberger – bass trombone

Philipp Nykrin – piano

Judith Ferstl – double bass
Beate Wiesinger
– electric bass  

Judith Schwarz – drums (right)
Marton Juhasz
– drums (left)

Christian Muthspiel – all compositions, conductor

2022, Emarcy/Universal Music 4589997

HOMECOMING – Linernotes von Roland Spiegel

Die Lust am Spiel mit Klangwelten und ihrem tieferen Grund

Christian Muthspiels „Orjazztra Vienna“ mit Aufnahmen aus dem „Porgy & Bess“ in Wien

­­„Orjazztra Vienna“: schwer auszusprechen, dieser Name. Man muss im richtigen Moment die Stimmbänder einsetzen, damit die Silbe „jazz“ nicht nach „chess“ klingt – womit das ganze Spiel mit der erweiterten Bedeutung in die Irre führen würde. Weil er auf feine Art nicht ganz einfach ist, von einer besonderen Nuance lebt und darauf hinweist, dass etwas anders ist als sonst, passt dieser Name so gut. Dieses dem Jazz verschriebene Orchester ist auf subtile Art unvergleichbar. Mit einer Big Band ist es nicht mehr und nicht weniger verwandt als mit einem Orchester im Sinne der klassischen Musik: Es ist ein Klangkörper, der dafür da ist, Kompositionen für eine größere Anzahl Musikerinnen und Musiker Gestalt werden zu lassen, wobei diese auch improvisieren. Und: Was hier gespielt wird, sind Stücke, die genau für diese Besetzung erdacht sind.

Christian Muthspiel, geboren 1962, ist seit Mitte der 1980er Jahre als Jazzmusiker international aktiv und seit den 1990er Jahren auch als Dirigent und Komponist in der Szene der klassischen Musik. Die besonders lebendige und reiche junge Jazz-Szene Österreichs und speziell Wiens hat ihn 2019 dazu inspiriert, dieses „Orjazztra“ zu gründen: mit Musikerinnen und Musikern, die zum Großteil eine Generation jünger sind als er. Die Besetzung des Orchesters weicht auffällig von herkömmlichen Klang-Kombinationen ab. Da gibt es einen sechsköpfigen Holzbläsersatz mit Musiker:innen, die jeweils verschiedene Saxofone und Klarinetten spielen. Hinzu kommt ein hier ebenfalls sechsköpfiger Blechbläsersatz mit drei Trompeten und drei Posaunen. Sowie: eine doppelte Rhythmusgruppe mit zwei Schlagzeugen, einem E-Bass und einem Kontrabass. Und ein Klavier. Um für diese Besetzung zu schreiben, ist Christian Muthspiel ganz in die Klangwelten der jungen Musikerinnen und Musiker eingetaucht – hat die musikalische Sprache von Menschen studiert, die musikalisch völlig anders sozialisiert wurden als er. Und sagt darüber: „Ich bin mit 17 jungen Leuten auf Entdeckungsreise!“

Musikalische Welten und Individuen zu erkunden und mit der Lust eines Architekten dann neue, ganz eigene Klanggebäude zu errichten, innerhalb derer sich die Mitglieder des Orchesters ebenso lustvoll musikalisch ausleben können: Das kennzeichnet Muthspiels Arbeit mit dem „Orjazztra“. In den Aufnahmen vom März 2022, mitten in der COVID-Pandemie, spürt man schnell, dass dieses inspirierte Groß-Ensemble auch im seltenen Setting „Live ohne Publikum“ enorme Lebendigkeit entfalten konnte. Und wieviel Energie einerseits und zarte Klang-Inseln andererseits dabei möglich sind.

Es gibt in diesen Stücken viel Klang zu entdecken – aber auch Vieles, das dahinter und darunter steckt. Wie jede gute Musik handelt sie nicht nur von Tönen, sondern mehr noch vom Leben. Das spürt man schnell beim Hören – durch die Vehemenz und unterschwellige Dramatik mancher Stücke; und durch die traumhafte Schönheit anderer. Die Titel der hier versammelten Kompositionen geben leise Hinweise zum Weiterdenken. „The flight of the crane“ (Der Flug des Kranichs) spielt auf eine Qigong-Übung an – eine Bewegungsübung: Was für ein hintersinniger und zugleich unprätentiöser Einstieg in ein Konzert! Zugleich ist schon dieses Stück voll von Blues-Tönungen: Die findet man an vielen Stellen des Doppelalbums, nicht nur in „Old wine in new skins“, das den „alten Wein“ Blues durch neue kompositorische Schläuche fließen lässt. In einer ganzen Reihe der Stücke geht es um den von Menschen selbst verursachten Zustand der Welt – Umweltzerstörung, Klimakatastrophe – und um die Schönheit dessen, was zerstört wird. Die „Jungle fugue“ verschränkt die Vielstimmigkeit des Urwaldes, die sich in dem Stück nach und nach entfaltet, manchmal so, als wecke eine Stimme die jeweils nächste. „Breathing underwater“ ist den Meerestieren gewidmet, denen, bildlich gesprochen, die Luft ausgeht. Das Stück „Woman and man“ reflektiert das elementare Mensch-Sein seit Adam und Eva, den Titel „She cries out loud“ erklärt Christian Muthspiel mit dem Satz: „Endlich die Frauen an die Macht, um die Katastrophe noch abzumildern …“ Es gibt noch weitere Stücke, in denen es mit musikalischer Hingabe und ganz unterschiedlichem Klang-Temperament um Schönes und Bedrohtes geht: „Tribal dance”, “Roots, trunk, crown“ (dessen Titel wesentliche Bestandteile eines Baumes ins Blickfeld rückt) und schließlich – vielfältig deutbar – “For the last of their kind“. Sie alle weisen auf das mit leisen Tönen intensivste Stück des Doppelalbums voraus, das Schluss-Stück: „Requiem for a blue planet“, ein trauriger Gesang, den ein Baritonsaxofon und eine Bassklarinette in sinnlich-bildhafter Zartheit beginnen.

Man kann tief eintauchen in die Musik dieser Aufnahmen: in ihre Lust am Formen, am Ausdruck, am Spiel. Und in ihrem Respekt vor dem Leben. Eines wird beim Hören dieser Kompositionen Christian Muthspiels immer klarer: Wer so vom Leben erzählt, der liebt es. Das „Orjazztra Vienna“: ein Abenteuer nicht nur für Zungen, die den Namen aussprechen wollen, sondern auch für Ohren, die offen sind für Entdeckungen in einer Musiksprache, die unterschiedliche Welten und Generationen vereint.

HOMECOMING

On the joy of playing with sound and its deeper meaning

Christian Muthspiel’s “Orjazztra Vienna” with recordings from Vienna jazz club “Porgy & Bess”

“Orjazztra Vienna” is a fitting name for a large jazz formation, since it combines “orchestra” and “jazz” into a single word and yet indicates that something is different here. Dedicated to jazz, this orchestra is subtly yet indubitably unique, having no more and no less in common with a big band than with a classical orchestra. Its raison d’étre is to perform complex compositions written for a large number of musicians who are also skilled improvisers. What’s more, the pieces are scored specifically for this orchestra’s unusual instrumentation.

Born in 1962, Christian Muthspiel has pursued a busy international career as a jazz musician since the mid-1980s and as a conductor and composer of classical music since the 1990s. His inspiration to establish his “Orjazztra” in 2019 came from the flourishing young jazz scene in Austria and especially in Vienna. The ensemble mainly consists of musicians who are, for the most part, a generation younger than he is and the line-up is conspicuously unlike any conventional formation. A six-piece woodwind section, comprising various saxophones and clarinets, and a brass section of three trumpets and three trombones are backed by a double rhythm section with two drums, an electric bass and a double bass, plus a piano. In writing for this line-up, Muthspiel immersed himself in the musical styles and vocabulary of the young musicians, who learned their trade in a very different social and professional setting from those of his vintage. He sees it as “a voyage of discovery with 17 young people.”

Muthspiel’s work with the “Orjazztra” is all about exploring musical avenues, fathoming the individuals that travel them and then, like an adventurous architect, constructing novel, unique soundscapes where the orchestra’s members can live out their passion with equal relish. Listening to the album, which was recorded in March 2021 in the midst of the COVID pandemic, the ensemble’s remarkable ability to perform “live” with such inspiration and intensity, even in the absence of an audience, soon becomes clear.

Alternating between pure energy and moments of subtle tenderness, there is plenty to discover in these pieces – both in terms of the music itself and what lies beneath it. Like all good music, it’s about life as much as it is about the actual music, and you quickly sense this as you listen, be it through the fervour and subliminal drama of some pieces or the dreamlike beauty of others. The titles of the compositions featured here inspire listeners to further contemplation. The flight of the crane alludes to an exercise from the Chinese body-mind-spirit practice of Qigong – what a profound yet unpretentious way to start a concert! Full of blues overtones, this piece introduces a musical theme that recurs throughout the double album, including in Old wine in new skins, which serves the “old wine” that is blues in new compositional carafes. Several of the pieces deal with what humans have done to the world – environmental destruction, climate catastrophe – and the beauty of what is being destroyed. The Jungle fugue intertwines the polyphony of the jungle that gradually unfolds, one voice seemingly awakening the next as the piece progresses. Breathing underwater is dedicated to sea creatures that are, figuratively speaking, running out of air, while Woman and man reflects on the elementary nature of human existence, all the way back to Adam and Eve. Talking about the title of She cries out loud, Muthspiel says: “It’s high time we had women in positions of power, to mitigate the catastrophe…”. Other pieces – differing widely in tonal temperament but all performed with passion – deal with beauty and the threats it faces: Tribal dance or Roots, trunk, crown – a title that alludes to the essential parts of a tree – and, leaving room for interpretation, For the last of their kind. They all anticipate the double album’s closing track: Quiet, yet the most intense piece on the album, Requiem for a blue planet is a mournful farewell that starts with a baritone saxophone and a bass clarinet played with sensuous, vivid tenderness.

This is music to immerse yourself in; in the joy taken in its creation, in its expression, its playfulness and in the respect for life that it embodies. Listening to these compositions by Christian Muthspiel, one thing becomes crystal clear: you can only paint these images of life if you actually love it. The “Orjazztra Vienna” is an adventure for ears open to discoveries in a musical language that unites different worlds and generations.

Roland Spiegel

translated from German by Dominik Kreuzer

25,00 

Preise in Euro (€) / Prices in Euro (€):

Preise inkl. 20% Mwst. zuzüglich Versandkosten / Prices incl. 20% VAT plus shipping costs.

Verkaufs- und Lieferbedingungen / conditions of sale and delivery:
Versandkosten / shipping costs: Austria € 3.-, Europe € 5.-, rest of the world € 10.-
Ab einer Bestellung von 3 CDs wird innerhalb Europas kein Porto verrechnet.
For an order of 3 or more CDs we do not charge shipping costs within Europe.

Bestellte CDs werden mit Rechnung an angegebene Rechnungsadresse gesendet.
Ordered CDs will be sent to billing address with receipt.

Für weitere Informationen und Fragen senden Sie bitte ein Mail an: CD-shop
For further informations and questions please send mail to: CD-shop