Christian Muthspiel - trombone, piano
Franck Tortiller - vibraphone
Georg Breinschmid - bass
„against the wind" - the music of Pirchner & Pepl
plus Film: „Der Untergang des Alpenlandes"
Ein Heimatfilm von Werner Pirchner und Christian Berger
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Die Musik Werner Pirchners und Harry Pepls steht im Mittelpunkt des aktuellen Programms „against the wind" des Christian Muthspiel Trios. Eine Hommage, die sich nicht mit dem Nachspielen der Kompositionen der beiden viel zu früh verstorbenen Österreichischen Meister begnügt, sondern die Vorlagen neu und eigenständig interpretiert, um dabei in sehr spezieller Besetzung (Posaune/Klavier, Vibraphon, Bass) rhythmisch geprägten Jazz in kammermusikalischem Geist erklingen zu lassen.
Christian Muthspiel (Hans Koller Preis 2007: „Musician of the Year") hat sein Trio 2005 gegründet und dafür zwei hochkarätige Musiker eingeladen, die ihm aus verschiedenen gemeinsamen Projekten (u.a. viele Jahre im Vienna Art Orchestra) vertraut sind. Der französische Vibraphon-Virtuose Franck Tortiller, aktueller Chef des „Orchestre National de Jazz", lässt das Vibraphon in Pirchners Geist als melodisch-harmonisch-perkussives Chamäleon in allen erdenklichen Facetten erklingen. Und welcher Bassist könnte die Anforderung der Kompositionen zwischen klassischer Virtuosität und jazziger Rhythmik besser bewältigen als der Ex-Philharmoniker Georg Breinschmid?
Werner Pirchner und Harry Pepl bildeten gemeinsam das legendäre „jazzzwio", welches von Mitte der 70er bis Anfang der 80er Jahre durch zahlreiche Konzerte und Platteneinspielungen international Furore machte. Pepl und Pirchner waren ein Duo, dessen unmittelbare, spontane Kraft und fesselnde Rhythmik dem europäischen Jazz eine bedeutende und äußerst individuelle Note hinzufügte.
Zusätzlich wird Pirchners legendärer Film „Der Untergang des Alpenlandes", ein Heimatfilm der ganz besonderen Art, gezeigt, der in den 70er Jahren für Sendeverbote, aufgestochene Autoreifen und äußerst hitzige Debatten sorgte und dessen Soundtrack große Teile von Pirchners Kultplatte „Ein halbes Doppelalbum" enthält.
Andreas Felber über das Christian Muthspiel Trio
Es hat den Anschein, als hätten sie auf ihre Weise schneller, intensiver gelebt und wären deshalb vorzeitig verglüht: Werner Pirchner und Harry Pepl, sie waren perfektionistische Charakterköpfe, die keine halben Sachen machten. Für die Musik Leben und Leben Musik bedeutete. Von ungezähmter, energetischer Wildheit waren die Klänge, mit denen der Vibrafonist und der Gitarrist etwa zwischen 1978 und 1985 als geniales „Jazz-Zwio" Europas Jazzfestivals beglückten, Klänge, die sie immer wieder auch in lyrischer Intimität erblühen ließen, in jedem Falle mit unter die Haut gehender Emotionalität aufluden.
Christian Muthspiels Trio ist ein Ensemble, mit dem er, der in den letzten Jahren als Komponist großformatiger Orchesterwerke und als Dirigent und Programmkonzeptionist renommierter klassischer Klangkörper in Erscheinung getreten ist, bewusst wieder den Jazzer, den Instrumentalisten in sich hervortreten lässt. Zumal dafür durch den Ausstieg aus dem „Vienna Art Orchestra" 2004, dem er zehn Jahre lang angehört hat, und die Ausrufung einer schöpferischen Pause in der Zusammenarbeit mit Bruder Wolfgang Muthspiel Raum geworden ist - Raum für intensive Interaktionen mit zwei renommierten, ehemaligen Weggefährten im „Vienna Art Orchestra", deren Name längst internationalen Klang hat.
Unter Muthspiels Regie begegnen sich die drei in klug choreografierten, vitalen Kammerjazz-Szenerien, die allein schon durch die unorthodoxe Instrumentierung und das luzide, luftige Klangbild Originalität, Charakter beweisen. Thema dieses Programms ist also nicht nur die Verbeugung vor zwei großen Musikern des österreichischen, ja, des europäischen Jazz. Thema ist auch die Besinnung auf die Qualität physischer Klangerzeugung, auf das Bedürfnis nach spontanem Ausdruck, auf die Essenz dessen, was Jazz ausmacht.
Christian Muthspiel begreift die Pirchner'schen und Pepl'schen Stücke nicht als historische Archivalien, sondern als Material im besten Sinne, als Basis für jetztzeitiges Musizieren: als deutungsoffene und dennoch prägnante, profilstarke Startrampen für die eigene Klang-Phantasie. Musik, die mitten im Leben steht. Ist ein schöneres Kompliment denkbar?


