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mozart loops

4 Stellungnahmen zu Mozart

Christian Muthspiel - Dirigent, Konzeption, Posaune, Klavier, Electronics
Münchener Kammerorchester
Wolfgang Muthspiel: Guitars
diverse Solisten


KRITIKEN click here

Die Einladung, einen vierteiligen Konzertzyklus zu Mozarts 250. Geburtstag zu programmieren, stellte mich vor vielfältige Fragen: Wie Mozart gerecht werden und zugleich der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts frönen? In welcher Weise den „Spirit" dieser übergroßen, ewigen und genialen Erscheinung in ein zeitgemäßes, meinen eigenen Kompetenzen und Vorlieben entsprechendes Konzept übertragen? Wo anknüpfen an IHN, wo sich entfernen von IHM? Welche Konzertdramaturgie erfinden, die sich vom klassischen Ablauf „Stück-Applaus-Pause-Stück-Applaus..." entfernt und damit versucht, andere Hör- und Sinneserlebnisse zu erzeugen?
Einige zentrale Gedanken kristallisierten sich bald heraus: Mozart war Komponist UND Instrumentalist - wie ALLE Komponisten seiner Zeit. Mozart interpretierte UND improvisierte - wie ALLE Musiker seiner Zeit. Mozart nahm Stellung zu gesellschaftlichen und politischen Themen, er war unbequem und frech, er lehnte sich auf und kritisierte die bestehende Ordnung.
Er entblößte und karikierte die herrschende Schicht (z.B. im Figaro), er liebte das irdische Leben, das Vergnügen, saß nicht in einem elfenbeinernen Turm sondern stand mitten im Leben. Er war von der Erde, seine Musik vom Himmel.
Ein guter Popsong nimmt Stellung, erzählt eine relevante Geschichte und liefert in wenigen Minuten auf poetische Art ein komplexes, mehrschichtiges Bild. Text und Melodie untrennbar verwoben, singen die Popkünstler des 20. und 21. Jahrhunderts vom Leben und erzählen kleine Geschichten.
Die Oper des 18. Jahrhunderts war „E"- (ernste) und „U"- (unterhaltende) Kunst zugleich. Man musste damals nicht Hoch- von Subkultur trennen. Man müsste das auch heute nicht.
Komponisten nehmen in ihren Werken Stellung. Sind, als Teil ihrer gesellschaftlichen, politischen und sozialen Umgebung und inmitten des täglichen Geschehens, hundertfachen Einflüssen ausgesetzt die sie, bewusst oder unbewusst, in ihren Werken spiegeln. Die hörbar werden, der jeweiligen Zeit und ihren Lebensumständen Ausdruck verleihen.
Mozart ist alles in einem. Ernst und unterhaltend, Stellung beziehend und hermetisch, himmlisch und irdisch, kristallin und verspielt.
Jedes dieser 4 Programme befasst sich als Thema mit einem Schlagwort, welches unzertrennlich mit Mozart verbunden ist. Sozusagen mit „Labels" der „Marke" Mozart. Ausgehend von dieser programmatischen Überschrift gestalten sich die Abende als vielfältige Reise zu mit Mozart verknüpften Themen und Figuren. Zum einen mittels thematisch adäquater Kompositionen von Klassikern der Moderne und zeitgenössischen Komponisten, zum anderen mittels einer Auswahl inhaltlich ebenfalls abgestimmter Songs der Popmusik und des Jazz. Als Beschwörung des zu Mozarts Zeiten fließenden Übergangs von E zu U und der damals selbstverständlichen Fähigkeit jedes Musikausübenden, in spezifischen Kontexten zu improvisieren.
Als „Bindemittel" fungieren jeweils LOOPS, sich wiederholende, kurze Schleifen, die, vom Orchester live gespielt, von mir aus zentralen Passagen des titelgebenden Werks Mozarts extrahiert wurden. In ihrer leichten Verfremdung jedoch und aus dem ursprünglichen Kontext gebrochen, werden sie zu nebelhaften Schatten des Genies und zur harmonisch-melodischen Improvisationsgrundlage des Jazz-Solisten Wolfgang Muthspiel. Die Auswahl eines Jazzgitarristen als zentralem Spieler beruht auf dem Gedanken, dass zum einen die Gitarre DAS Populärinstrument des 20. Jahrhunderts schlechthin ist, zum anderen der Jazz als Verschmelzung von Tradition, Moderne und Improvisation wie keine andere Musikrichtung U und E gleichzeitig repräsentiert. Ein in den USA groß gewordener europäischer Jazzsolist tritt mit Songs von Sting, Prince, den Beatles, den Rolling Stones, Thelonious Monk, Billie Holiday und anderen somit improvisierend in einen sensitiven Dialog mit Mozart und Orchesterwerken des 20. Jahrhunderts.
Songs und Orchesterstücke werden teilweise direkt, teilweise mittels  Mozart-Loops aneinandergefügt. Eine größere Form, eine übergeordnete Einheit soll entstehen um Verbindendes und Trennendes, Harmonien und Kontraste unvermittelt erleben zu können.
Meine Einladung an die geschätzten Zuhörerinnen und Zuhörer lautet daher: Lassen Sie sich verführen zu einer Reise, in deren Verlauf Sie bekannte und unbekannte Plätze besuchen und der Weg von einem Ort zum nächsten Teil des Konzerterlebnisses sei.      (Christian Muthspiel)
  

Die 4 Programme


mozart loops I: Requiem

vom Gedenken - dark songs

Loops: aus Mozarts Requiem
Karl Amadeus Hartmann: Concerto Funébre (Violinkonzert)
Witold Lutoslawski: Musique Funébre
Toru Takemitsu: Requiem
Arvo Pärt: Cantus in memory of Benjamin Britten
Dark Songs:
Prince: Sometimes it snows in april, Sting: They dance alone
Billie Holiday: Strange fruit, J.J. Johnson: Lament

mozart loops II: Kleine Nachtmusik

vom Leben der Nacht - night songs

Loops: aus Mozarts Kleiner Nachtmusik
Benjamin Britten: Nocturne
Wolfgang Rihm: Nachtordnung
Edward Elgar: Chanson de nuit
Kurt Schwertsik: Draculas Haus-und Hofmusik
Night Songs:
Lennon/McCartney: Blackbird, Thelonious Monk: Round midnight
The Rolling Stones: Let´s spend the night together, Joni Mitchell: Dreamland

mozart loops III: Don Giovanni

von Liebe, Eros und Höllenfahrt - love songs

Loops: aus Mozarts Don Giovanni
W. A. Mozart: Don Giovanni - Ouverture, Cosi fan tutte - Ouverture
Igor Strawinsky: Danse du diable, Marche triomphale du diable (aus: Die Geschichte vom Soldaten)
Mauricio Kargel: aus: 10 Märsche, um den Sieg zu verfehlen
Arnold Schönberg: Verklärte Nacht
Love Songs:
Lennon/McCartney: Michelle, Yesterday

mozart loops IV: Papageno

vom Kind in uns - songs of innocence

Loops: aus Mozarts Zauberflöte
György Ligeti: Ballade und Tanz nach rumänischen Volksliedern für Schulorchester
W. A. Mozart: aus: Ein musikalischer Spaß, KV 522
Philipp Glass: Company
Benjamin Britten: Simple Symphony
Gustav Mahler: Symphonie Nr.4, 4. Satz „Wir genießen die himmlischen Freuden"
Helmut Lachenmann: aus: Ein Kinderspiel (für Klavier solo) Nr. 1, 4, 6 
Songs of innocence:
Billie Holiday/A.Herzog: God Bless the Child, Chick Corea: Children Song Nr. 6
Peter Kreuder: Ich wollt´, ich wär´ein Huhn, Lennon/McCartney: She´s leaving home