EINE ART REQUIEM (...meines Vaters schöne Weisen...)
Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester, 2002
Das im Auftrag Benjamin Schmids entstandene Doppelkonzert hat drei Volkslieder aus der Feder meines im März 2001 verstorbenen Vaters Kurt Muthspiel zur Grundlage. Er schrieb eine Vielzahl an einfachen, wunderschönen Liedern, Weisen und Jodlern und widmete sich ein Leben lang der Chormusik als Sänger, Chorleiter und Komponist. Diese Musik war vom Beginn meines Lebens an eine lange Zeit meine ständige Umgebung, sie prägte mich und ihr setzte ich mein Interesse an der zeitgenössischen Musik und dem Jazz entgegen. So wurde die Arbeit an diesem Werk zu einer sehr intensiven Beschäftigung mit meiner Herkunft und zu einer respektvollen, tiefgreifenden Auseinandersetzung mit der Person und Musik meines Vaters.
(Christian Muthspiel, 2003)
SALZBURGER NACHRICHTEN Salzburg, 2002
Volksliedkompositionen, „schöne Weisen" des verstorbenen Vaters, nutzt Christian Muthspiel als Ausgangsmaterial des von Benjamin Schmid in Auftrag gegebenen Doppelkonzerts für Violine, Violoncello und Orchester, das in Wien, Schwaz und Linz mit Clemens Hagen als zweitem Solisten und mit der Camerata Salzburg uraufgeführt wurde.
Glänzend arrangiert und sehr präzise ausgehört verdichtet Muthspiel dieses Tonmaterial zu komplexen harmonischen und rhythmischen Schichtungen, entwickelt spannende formale Strukturen von großer Intensität, greift souverän alle technischen und expressiven Möglichkeiten auf, die eine solche Besetzung bieten kann. Und doch ist dieses Stück über weite Strecken von einer berührenden Aura der Stille und Besinnung beseelt.
Jazz-Verfahren spielen eine nicht so große Rolle, eher scheint sich der stilübergreifende Komponist sehr ernsthaft mit der Tradition der europäischen Kammerorchester-Komposition des 20. Jahrhunderts auseinandergesetzt zu haben.
In einem stimmigen Konzept war die Uraufführung in zwei vorzügliche Beispiele solcher Tradition eingebettet: Außerordentliche Kompetenz als Dirigent bewies Muthspiel sowohl bei Strawinskys neoklassizistischem, rhythmisch reizvollem „Concerto en Ré" als auch bei den auf einer Filmmusik basierenden Fünf Orchesterstücken von Hanns Eisler. Eine zweite „Anhörung" bot zwischen den Sätzen nahtlos eingestreute „Improvised reflections on Eisler" von dem an die E-Geige gewechseltem Benjamin Schmid und dem Komponisten an der Posaune.
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